Personalrat aktuell 10.01.2025

Nr. 2 | Januar II 2025

Top-Thema: KONFLIKTMANAGEMENT –
So bringen Sie Streithähne an einen Tisch

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Headset als mitbestimmungspflichtige technische Überwachungseinrichtung
Nach § 80 Abs. 1 Nr. 21 Bundespersonalvertretungsgesetz und Ihrer entsprechenden landesgesetzlichen Regelung bestimmen Sie bei der Einführung technischer Überwachungseinrichtungen mit. Fraglich ist, ob auch ein Headset darunter fällt. Dieser Fall spielt zwar in der freien Wirtschaft, ist aber auf Sie übertragbar (Bundesarbeitsgericht, 16.7.2024, Az. 1 ABR 16/23).
Schweigepflichtverstoß führt nicht immer zum Ausschluss aus dem Personalrat
Als Personalrat haben Sie eine Schweigepflicht. Sie müssen über alle Tatsachen, die nicht offenkundig sind, Stillschweigen bewahren. Verstöße können zum Ausschluss aus dem Personalrat führen – müssen es aber nicht (Verwaltungsgericht Hannover, 10.12.2024, Az. 17 A 2737/24).
Dienstherr muss sein Weisungsrecht ermessensgerecht ausüben
Viele Beschäftigte sind in der Coronazeit dauerhaft ins Homeoffice gewechselt – mit Wissen und Wollen des Dienstherrn. Natürlich kann sich eine Arbeitsaufgabe ändern oder auch der Sitz des Arbeitgebenden. Dies kann den Rückruf aus dem Homeoffice erforderlich machen. Dieser Rückruf darf dann aber nicht unbillig sein (Landesarbeitsgericht Köln, 11.7.2024, Az. 6 Sa 579/23).
Versuchtes „Vordrängeln“ bei Corona-Impfung bleibt folgenlos
Bei der Corona-Impfung war eine Art Rangfolge eingeführt worden, da der Impfstoff anfangs knapp war. Die weniger Schutzbedürftigen wurden als Letzte geimpft, die Risikogruppen folgerichtig als Erste. Eine Beamtin hatte sich selbst in der Rangfolge etwas nach vorne geschoben. Fraglich war nun, ob ihr deswegen das Ruhegehalt gekürzt werden kann (Verwaltungsgericht Hannover, 5.12.2024, Az. 18 A 4923/23).
So bringen Sie Streithähne wieder an einen Tisch
Vor der Arbeitsgerichtsbarkeit gibt es immer 2 Termine: einmal eine Güteverhandlung und, wenn diese scheitert, einen Termin zur streitigen Verhandlung. Im Gütetermin sollen die Konfliktparteien noch mal „reden“ und so zu einer gütlichen Einigung kommen. Das klappt natürlich nicht immer, aber den Grundgedanken können Sie für Ihr Konfliktmanagement aufgreifen. Setzen Sie die „Streithähne“ an einen Tisch – unter Ihrer Anleitung und unter der des Dienstherrn können sie so eine gütliche Einigung finden.
Entschädigung für den Personalrat wegen überlanger Verfahrensdauer?
Auch als Personalrat müssen Sie das ein oder andere Mal vor Gericht ziehen. Wenn nun das Gerichtsverfahren von gerichtlicher Seite nicht betrieben wird, steht Ihnen dann eine Entschädigung zu oder müssen Sie einfach abwarten (Bundesverwaltungsgericht, 14.11.2024, Az. 5 C 5.23)?
Keine Disziplinarmaßnahmen, wenn Kolleginnen und Kollegen zu hohen Sold nicht melden
Kurz vor Weihnachten hat das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) ein Weihnachtsgeschenk verteilt. Eine Beamtin sah sich einem Disziplinarverfahren ausgesetzt, weil sie eine zu hohe Besoldung nicht gemeldet hatte. Die Sache ging aber gut für sie aus (BVerwG, 5.12.2024, Az. 2 C 3.24). Lesen Sie, welche Hinweise Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen geben sollten, damit auch diesen in einem solchen Fall kein Ärger droht.
So wird auch Ihre Dienststelle zur nachhaltigen Dienststelle
Die Deutschen agieren immer umweltbewusster – und auch in weiten Teilen der Politik ist mittlerweile angekommen, dass „weiter wie bisher“ nicht möglich ist. Ziel dieser Dienstvereinbarung ist es, diese Veränderungen aufzugreifen und zu intensivieren, Umweltschutz in den dienstlichen Alltag zu integrieren und so umweltbewusstes Handeln aller Beschäftigten zu erwirken. Denn Umweltschutz ist Gesundheitsschutz, Arbeitsschutz und Schutz des Gemeinwohls. Die Vertiefung dieses Themas lohnt sich also auf jeden Fall!
„Elternzeitvertretung: Muss die Zweckbefristung verlängert werden?“
Frage: Einer unserer Kollegen ist in Elternzeit. Er hatte erst 2 Jahre beantragt und dann auf 3 verlängert. Für ihn wurde eine Vertretung befristet eingestellt. Als Sachgrund ist die Vertretung des Kollegen für die Dauer der Elternzeit eingetragen. Jetzt hat unsere Dienststellenleitung dem Kollegen wegen der Verlängerung einen neuen Arbeitsvertrag vorgelegt. Zusätzlich zum eigentlichen Befristungsgrund hat sie nun noch einen Endtermin aufgenommen. Ist das denn zulässig? Was sollen wir unserem Kollegen raten?
„Dürfen Sonderzahlungen bei Dienstunfall gekürzt werden?“
Frage: Ein Beschäftigter hatte einen Arbeitsunfall, der nachweislich auf eine Nachlässigkeit unseres Dienstherrn zurückzuführen ist. In seinem Arbeitsvertrag findet sich eine Klausel, nach der Sonderzahlungen gemäß § 4a EFZG für jeden Tag einer Erkrankung um ¼ zu kürzen sind. Kann das denn in seinem Fall Anwendung finden?
Fachgerichtsbarkeit in Schleswig-Holstein bleibt doch erhalten
In Schleswig-Holstein wird eine Fachgerichtsstrukturreform durchgeführt. Ursprünglich war vorgesehen, alle Gerichte der Arbeits- und Sozialgerichtsbarkeit in erster und zweiter Instanz in einem Fachgerichtszentrum örtlich zusammenzufassen. Dies hat zu massiven Protesten aus der Anwaltschaft und Richterschaft geführt.

Arbeitshilfen

  • Dienstvereinbarung: Umweltschutz in der Dienststelle